Zeit

21.11.2017

Zeit

Wer oder was ist sie? Der Zeiger vielleicht, der sich langsam und kontrolliert durch die Ziffern der Uhr schlägt? Das Tick tack, dessen Ton lauter wird je genauer man hinhört? - Drohend schaut sie auf mich herab. Ich spüre ihren Blick im Nacken. Wo immer ich auch bin, sie ist mit mir. Treibt, hetzt und bestimmt mein Leben. Der Mensch ist schlau, hat ihr die Stimme genommen und die Ziffern durch kleine Striche ersetzt, doch sie ist da. Ist und bleibt es. Wir richten uns nach ihr. Sie schreitet und wir stolpern hinterher.

Ich atme tief und ignoriere sie. Jetzt...heute. Ein Versuch ist es wert. Lasse es nur hell und dunkel sein, Tag und Nacht. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Genug um dem Körper neue Richtung zu geben. Das natürliche Sein kurz spüren welches nicht mehr ist und nie mehr wird. Etwas Verlerntes zurückholen. Doch die Zeit fordert, will Aktivität, durchstrukturiertes Leben, rasenden Wahnsinn. Sie ist Last und Notwendigkeit zugleich. Sinnlos der Versuch ihr zu entkommen.

Pflicht und Zeit haben Hochkonjunktur. Funktional muss alles sein, nutzbringend. Und niemand stellt Fragen. Die Wesen sind programmiert und führen pflichtbewußt aus. Noch Körper aus Fleisch und Blut. Mehr Fleisch als Blut. Die rote Flüssigkeit verliert ihre Farbe und zersetzt sich in Kristalle. Die kalte Luft macht die Gesichter starr. Das Herz im Innern pumpt und versucht ein Stück Menschlichkeit zu halten. - Der Körper hat ausgdient, die Organe sind nicht mit der Zeit. Zu hoch der Verschleiß. Die moderne Welt stellt Forderungen. Die rasende Geschwindigkeit birgt Gefahren. Dankbar nimmt die Seele jede Droge um zu überstehen. Die Frage nach dem Sinn sucht plötzlich Antwort.

Gibt es ein Leben im Leben?

Der Himmel zeigt majestätisch Weite und strahlt im schönsten Blau. Er hat sie, die Freiheit. Der Wind erzählt sich mit den Bäumen. Ihr Laub hält noch das Grün. An manchen Tagen läßt der Herbst sich atmen. Die Zeit ist überall, auch in meinem Garten. - Wenn der Tag sich dem Ende neigt und die Dunkelheit alles verschlingt erfährst du Licht. Der Wille gibt den Dingen Wertigkeit. Ich suche die meine und schere mich nicht um Eile. Der Gedanke fliegt fort und tümmelt sich auf endlosen Wiesen. Hier gibt es sie nicht die Zeit. Rote Mohnblumen wiegen sich mit dem Korn der Felder und flüstern leise die Melodie der Seeligkeit. Für einen Moment kurz fühlen ...leben.

 

 

 

PfeilErzählungen / Nachtfieber

PfeilGästebuch

 

 

Besucher gesamt: 4384

Gerade online:        1

Nach oben