Stadtgestalten

Stadtgestalten

 

30.09.2012

Stadtgestalten


Graue Wesen mit müdem Blick. Ihr Gang ist schwer, stereotyp der Ausdruck. Täglich treibt es sie in die Pflicht. Die Zeit gibt den Rhythmus vor. Der Wunsch ist tot, bestimmen tut ein Anderer. Die Lebendigkeit ist vergraben, sie stört nur beim Funktionieren. Laut ist ihre Welt und macht sie hart. Es weht ein rauer Wind. Die leisen Töne treiben wie die Samen einer Pusteblume davon. Wer genau hinschaut sieht sie noch am Horizont.

Wer nicht mithält sitzt am Rand, schaut aus der Ferne auf das Treiben. Vom sozialen Netz aufgefangen atmet es sich ein Stück lang weiter. Wie ein Bettler greift er die am Boden liegende Münze. Dabei fällt ihm seine Würde wie ein Hut vom Kopf. Einsam schaut er in die Aussichtslosigkeit. An ihm vorrüber zieht alltäglich die Masse Mensch in Blöcken durch den Dschungel der Stadt. Unförmige Körper die vergessen haben wer und warum sie sind. Sie huschen in die Tempel der Konzerne und hoffen an deren Gewinn teilzuhaben.                                                                                                 

In bunten Verpackungen wird Chemie verkauft und Gesundheit versprochen. Genehmigte Künstlichkeit für alle, sättigend und nähstofflos. Vergiftung auf Raten. Die Verantwortlichen geben sich verantwortlich und sind es nicht. Die Macht hat die Macht und nicht das Gewissen.

Still sitze ich auf meiner Bank. Der Zug fährt ins Irgendwo. Menschen steigen ein und steigen aus. Wir alle haben ein Ziel. Jeder das Seine. Ich betrachte aufmerksam, schau in die Gesichter und deren Seelen. Gebäugte Körper, einige schlafen. Schwer war ihr Tag. Der Mann mit der Flasche in der Hand versucht zu vergessen. Er trinkt sich den Staub aus der Kehle und die Klarheit aus dem Verstand. So geht es besser. Kinder zerren an ihren Müttern. Sie gehen jetzt in die nächste Schicht. Nur die Nacht bringt ihnen Ruhe. Der Feierabend des Lebens liegt in weiter Ferne.                 

Ich schaue nach draußen. Zwischen den Häusern verabschiedet sich die Sonne. Rot glühend versinkt sie hinter der Kulisse aus Beton. Ein wunderbares Schauspiel, fast zu schön für diesen Ort. Der Zug rollt und schließt den Kreis. In den Fenstern spiegelt sich das Leben. Kleine Quadrate in wechelnden Farben. Der Alltag lebt sich in Geschwindigkeit. Die Hast ist Last. Die Gedanken sind angespannt und nehmen dem Moment das Erleben. Die Gesellschaft fordert, gibt Normen und Regeln. Sie formt und bestimmt. Wie eine Schlange kommt sie aus dem Dickicht gekrochen und nimmt von den Wesen Besitz. Ganz langsam und unbemerkt windet sie sich um deren Körper. Über den Köpfen strahlt das Blau des Himmels und täuscht Freiheit vor. Mittendrin und doch abseits steht er, der Mensch. Ein Werkzeug des Fortschritts. In seiner Bewegung gefangen, eingemauert der Geist. Eine Gemeinschaft der Einsamen. Zu kurz der Tag um wahrzunehmen was ist.


 

Der staubige Zug bewegt sich weiter fort durch die Stadt die niemals schläft. Mit ihm fährt die Müdigkeit und der Wunsch nach Veränderung...

 

 

 

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