Sommerfrische - Teil 4

27.07.2014

 

Sommerfrische – 4

 

Irgendwann wird alles zur Routine. Schon am ersten Urlaubstag formt sich eine gewisse Verhaltensweise und bleibt für die ganze Zeit bestehen. Wann steht man auf, wann und was isst man zu den Mahlzeiten und wie verbringt man die Zeit dazwischen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Viel Gewohnheit, viel Tier. Besonders hier nehme ich einen ausgeprägten Herdentrieb wahr.

 

Ich suche die Mädels, was schwer ist unter den vielen Menschen am Strand. Wer auf sich hält ist braun, wenigstens rot, sonst drohen dir mitleidige Blicke und nervige Bemerkungen hier sowie daheim. Wer nicht sportlich ist, möchte doch wenigstens so aussehen. Meine Mädels haben schon in den ersten Tagen die rote Phase eingeleitet und erreichen nun ersehntes Braun. Na bitte, wozu ist die Sonne denn auch da. Eine von ihnen hat mich entdeckt und es mit lautem „Huuuhu!!“ auch alle anderen wissen lassen.

Es läuft gut mit uns. Ich lasse sie tun und sie mich. Um so schöner sind dann unsere gemeinsamen Treffen. Freiraum ist das was dem Menschen gut tut und sie machen doch genau das Gegenteil. Kleben eng aneinander aus Angst vor der Einsamkeit. Dabei kann die größte Einsamkeit mitten in einer Gemeinschaft entstehen. Ebenso Hass und Gewalt, gerade weil es an Abstand fehlt. Freie und selbstständige Menschen sind das, was ein Leben in der Gesellschaft leichter macht. . Menschen die nicht andere benutzen um sich gut zu fühlen.

 

Die Mädels haben sich mit einer allein reisenden Dame angefreundet. Oder war es eher umgekehrt? Bei mir schlug ihr Versuch jedenfalls ins Leere. Sie kauft teuer und ihre Garderobe ist genauso wertvoll wie sie selbst. Sie macht andere klein und sich groß. Allwissend schaut sie auf alles herab. Sie braucht uns um sich groß zu fühlen. Und das in aller Freundlichkeit. Ich hab durch ihr grell geschminktes Gesicht gesehen und erkannt. Warum kann man sich so schlecht wehren gegen Freundlichkeit dieser Art. Ist es Mitleid?

 

Ein feines Schläfchen im Schatten eines Schirmes ist da eher nach meinem Geschmack. Das gleichmäßige Rauschen des Meeres ist eine gute Einschlafhilfe. Während es ein Hotel weiter am Strand turbulent zugeht, ist hier die Menschendichte noch relativ gering. Ich hab es doch noch ganz gut getroffen, denke ich und schlafe selig ein. Gut schlafen zu können ist nicht selbstverständlich weiß ich. Über die Hälfte der Leute in meinem Bekanntenkreis haben Einschlaf- und/oder Durchschlafschwierigkeiten. War der Tag unruhig, so wird es auch die Nacht. Dauerpower und Allwissenheit muss an den Tag gelegt werden um mithalten zu können. Wir drücken den Knopf und vergessen ihn wieder auszuschalten. Der Mensch als Maschine im Dauerbetrieb.

 

Langsam wird es Zeit zur Heimfahrt. 2 Wochen sind um. Die Hochsaison beginnt und mit ihr füllen sich die hübschesten Orte und schönsten Strände dieser Welt. Das was ich schon seit meiner Ankunft gesucht habe, lässt sich nun mittlerweile erst recht nicht mehr finden – Ruhe und Entspannung. Nein, ich bin nicht traurig, auch nicht enttäuscht. Im Gegenteil, eher um eine Erfahrung reicher. Manchmal braucht es ein ganzes Leben um zu wissen wer man ist.

Es treibt mich weder weg noch reizt es mich hierzubleiben. Allein der gebuchte Flug nimmt mir die Entscheidung. Meine Fluggesellschaft hat inzwischen Pleite gemacht. So schnell kann das gehen. Wundern tut`s mich nicht, bei dem Service. Im Zeitalter des Überflusses ist jedoch schnell für Ersatz gesorgt. Ich muss mir keine Sorgen machen. Zu Hause wartet schon all das was mir lieb und teuer ist. Meine Freude ist groß, auch wenn ich hierfür mein geliebtes Meer verlassen muss. Aber nicht für immer. Das ist gewiss...

 

 

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