Sommerfrische - Teil 3

14.12.2013

Sommerfrische – Teil 3


Das ganze Jahr über begleitet mich eine Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach
dem Geliebten, deren Stimme wild fordernd oder zärtlich schmeichelnd
mich an sich reißt. Hinter deren Schönheit und Kühle sich eine beruhigende
Klarheit und Wärme befindet. Nun bin ich hier. Still höre ich seinem
Flüstern zu und bin wie so oft fasziniert. Nichts ist mit ihm vergleichbar
und hält mich so sehr im Bann. Er ist ein Meisterwerk der Natur, mächtig
und stark. Kein Tag mit ihm gleicht dem anderen. Er fordert dich auf zu
entdecken, wachsam zu sein und ganz du selbst. Ich bin es...jetzt und hier.


Heute kommen wie verabredet meine Mädels mit dem Flieger am späten
Nachmittag. Ich freue mich auf eine gemeinsame Woche mit ihnen. Bis
dahin trödele ich so den Tag ab und bleibe in der Umgebung um bei ihrer
Ankunft anwesend zu sein.
Ich weiß nicht wie, aber es gelingt mir jeden Tag aufs neue einen
Strandplatz in der ersten Reihe zu ergattern ohne ein Handtuch vor
Sonnenaufgang zu platzieren oder den schnauzbärtigen Strandwart zu
bestechen. Komisch, wenn man alleine unterwegs ist, erscheint es immer
als wären alle Augen auf einen gerichtet und beobachteten jeden Schritt.
Eine Unsicherheit entsteht die, wie ich weiß, viele Singles davon abhält
unterwegs zu sein. Dabei ist die Beobachtung als solche ein gängiger
Zeitvertreib unabhängig vom Betrachtungsgegenstand und erfolgt zudem
nicht immer bewusst. Es besteht nur ein kleiner Unterschied, der Einzelne
nimmt besser wahr, ist aufmerksamer und wacher. Er wird nicht berieselt
von einer Flut von Worten seines Gegenüber, ist nicht in der Pflicht zu
hören, zu antworten, muss sein Denken und seine Aufmerksamkeit nicht
von außen weg auf die redende Person lenken. Und somit nimmt er die
Welt um sich herum sensibler wahr. Ich hab sie schon immer geliebt, die
Ruhe der Einsamkeit, die mich mit Kraft und Energie füllt, meine Augen
und meinen Verstand schärft. Unsicherheit begleitet mich nicht, eher
Mitleid mit den anderen die sich in Abhängigkeiten begeben müssen um in
der Gruppe das Gefühl der Stärke zu empfinden. Es gibt nur wenige die in
der Lage sind, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Es ist zur Gewohnheit
geworden sich unterhalten zu lassen. Oder zu unterhalten, alles frei weg
von der Leber reden, sein ganzes Leben anderen aufpressen, sich entleeren,
seinen Ballast dem anderen der nicht zu Wort gekommen ist aufzuladen.
„Nein danke, ich möchte euer Gepäck nicht!“, sagte der Weise und ritt mit
seinem Pferd in die Wüste. Ja es ist heiß, aber mir geht es gut. Genüsslich
strecke ich meinen Alabasterkörper unter den Blicken der anderen und lasse
die Sonne tief in mein Herz.


Der Nachmittag ist verschlafen. Mein Handy zeigt die Ankunft der Mädels
an. Wir treffen uns an der Rezeption. Obwohl sie das Hotel schon kennen,
sieht man in ihren Gesichtern Aufregung und Vorfreude. Die Begrüßung ist
herzlich. Ein Urlaub zu dritt birgt immer gewisse Risiken. Schon einmal bin
ich damit baden gegangen. Doch meine Unabhängigkeit gibt mir jederzeit
die Möglichkeit mich zurückziehen wann immer es mir beliebt.
Wie üblich ist die Ankunft am Urlaubsort erst einmal mit Check-in, Zimmer
begutachten, Koffer auspacken und frisch machen ausgefüllt. Während die
Mädels damit beschäftigt sind, ziehe ich mich auf den Balkon meines
Zimmers zurück und genieße die herrliche Aussicht. Und was für eine
Aussicht. Die Farbe Blau und Grün hat Dominanz. Farben die man in
meinem persönlichen Umfeld vergebens antreffen wird. Jedoch in freier
Natur haben sie einen besonderen Reiz. Ich kann mich nicht satt sehen.
Diese magische Weite erfüllt mein Großstadtherz mit Freude. Das Blau des
Himmels scheint im Meer zu versinken und verbindet sich mit ihm zu einer
Einheit. Unendlichkeit macht sich breit, vor mir und in mir. Jetzt zu reden
würde alles zerstören. Es ist jedoch still. Unten vor dem Hotel spielt sich
das Strandleben ab. Überall auf der Welt ist es das gleiche Bild. Menschen
die sich von links nach rechts bewegen oder wie tot unter Schirmen liegen.
Mich erreichen ihre Stimmen nicht. Hier hat die See die Macht.


Bevor ich mich unten im Restaurant mit meinen Mädels treffe, erfrische ich
mich kurz unter der modernen Dusche, deren Wassertropfen sanft wie
Regen auf meinen Körper fallen, lege mein schwarzes Haar zu einem
gekonnten Knoten zusammen und trage ein dezentes Make up auf. Das
hübsche neue Seidenkleid steht mir. Ich schaue zufrieden in den Spiegel
und verlasse mit einem Lächeln das Zimmer.

 

 

 

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