Sommerfrische - Teil 2

08.11.13

Sommerfrische

Teil 2


In den nächsten Tage lasse ich mich tragen von der Melodie des Meeres. Das Zimmer mit
Meerblick gibt durch die große Panoramascheibe einen zauberhaften Blick frei. Nachts höre ich das
Meer wild toben. Schwarz und unheimlich bietet es zu dieser Zeit dem Betrachter eine bedrohliche
Kulisse. Das Schlafen fällt schwer und nach der dritten unruhigen Nacht schließe ich die hohen
Flügeltüren nach draußen.
Der Morgen hat jeden Tag das gleiche Gesicht. Die äußeren Umstände geben einen Rhythmus vor.
Mit kleinen Augen und dem Durst auf Kaffee beginnt mein Tag auf der Veranda des Zimmers. Ein
Blick so frei und herrlich das es einem das Herz aufgeht. Die obere Etage ist gut gewählt und bietet
außer der traumhaften Sicht auch die nötige Ruhe. Das Meer sieht wieder freundlich aus und winkt
mit weißen Schaumkronen wie zum Gruß. Alles präsentiert sich frisch. Die Liegen stehen noch
geordnet und die Sonne tief. Die ersten Handtücher wurden bereits gezielt platziert. Auf der offenen
Terrasse des Restaurants wird gefrühstückt. Ich lasse mir Zeit. Wenn andere an das Mittagsmahl
denken bin ich gerade mit dem Frühstücksei fertig. Egal...es ist Urlaub.
So spät noch einen freien Platz am Strand in der ersten Reihe zu finden wird schwierig. Aber es ist
wie mit einem Motorrad, es findet immer eine Lücke. So düse ich auf meine zu und parke ein. Für
die nächsten Stunden möchte ich mich hier ungestört aufhalten. Das Meer schluckt jedes Geräusch,
so das ich bald darauf durch das eintönige Rauschen in einen wohligen Schlaf falle. In der
Zwischenzeit füllt und leert sich der Strand wie Ebbe und Flut. Die Gezeiten gibt die Crew der
Küche vor.


Erfrischt vom Schlaf fühle ich mich richtig und gut. Obwohl der Platz einmalig scheint, rüste ich
mich zum Strandspaziergang. Es gibt schöne Plätze auf dieser Welt an denen stundenlange
Wanderungen entlang traumhafter Küsten möglich sind. Ich liebe dieses Entdecken und neugierig
sein. Ein Hauch von Abenteuer inmitten unserer zivilisierten Welt. Ein Gefühl von Robinson Crusoe
und Verwegenheit. Nun gut, hier ist es anders. Hotel an Hotel reihen sich am Strand nebeneinander.
Beton statt Palmen. Mich schmerzt es bei diesem Anblick. Doch der Tourismus dient dem Land als
Einnahmequelle und will es dem Großstädter recht machen. Aber will er es wirklich so?
Vorbei an Hunderten von Liegen steuere ich zielstrebig auf eine Landzunge zu, die schon am Tage
der Ankunft meine Neugier auf ein futuristisch wirkendes Gebäude in diese Richtung lenkte. Voller
Stolz erklärte mir daraufhin ein Hotelangestellter, das es sich um ein neues Hotel für Gäste mit
gehobenen Anspruch handelt. Seine Bewunderung teilte ich nicht, war es doch eher ein weiterer
Betonklotz der die Landschaft verschandelte.
Ist das wirklich meine Welt in der so anders gedacht wird als ich fühle?


Groß und mächtig baut sich sein Körper vor mir auf. Mit stolzem Blick schaut es über das Ufer
hinaus in die unendliche Ferne. Aufmerksam scheint es mich von oben herab zu beäugen und in
die Schranken zu weisen. Weit ab vom Gedräne nimmt es hier eine Sonderposition ein. Ein guter
Platz und dem Recht zu fordern. Am großzügig angelegtem von hohen Palmen umsäumten Pool
sonnen sich die Damen und Herren auf weißen Tüchern. Stark duftende Pflanzen mit ungewöhnlich
großen Blüten säumen die frisch geharkten kleinen Kieselwege. Am Rand stehend ein
gutaussehender schlanker junger Mann, der freundlich lächelnd ein Tablett mit frischem
Orangensaft und aufgeschnittener Ananas in der Hand hält, aufmerksam wartend auf ein Zeichen.
Hier wurde die Ruhe gekauft, ein Luxus für Privilegierte. Meine Anwesenheit wird kaum bemerkt.
Die leisen Klänge der von der Bar herüber wehenden Musik scheint alle in eine Art Dämmerzustand
zu versetzen. Es erstaunt mich, das ich freien Zugang zu diesem idyllische Anwesen fand. Für einen
Augenblick lasse ich mich tragen von der Harmonie der Gesamtheit, der Einheit von Farben, Licht
und Klängen. Wie ein Ertrinkender saugte ich diese Vollendung auf. Das noch aus der Ferne
hässlich wirkende Gebäude erhält jetzt ein anderes Gesicht. Nichts erinnert mehr an daheim. Fern
von Arbeit und Gewühl können Körper und Geist endlich abschalten. Die Hitze drückt und die
braunen Körper glänzen im Sonnenlicht. Währenddessen sorgen leise summende Wasserfontänen
für den Erhalt der begrünten Flächen. Ein Hauch von Frische geht von ihnen aus.


Die Landzunge war umrundet. Meine Neugier gestillt. Vorerst. Von der Hitze leicht mitgenommen
setze ich mich ans Meer und lasse den Wind mit meinem Haar spielen. Das Hotel wird seitlich von
einer kleinen Gruppe Appartements umgeben, die liebevoll für frisch Vermählte hergerichtet
wurden. Nur eine flache Umzäunung trennt die romantische Anlage vom Küstenstreifen, der hier
bewusst wild gelassen wurde. Riesige Felsen halten das Meer im Zaum. Seine mächtige Gewalt ist
mit lautem Tosen hörbar. Ich liebe diese Wildheit, diese Unbändigkeit und Freiheit der Natur. Wie
magisch hält es mich an diesem Ort. Das Meer lebt, es bewegt sich und haucht seinen Atem über
diesen Küstenstrich. Der riesige Leib bäumt sich empor und ergießt sich mit lautem Zischen über
die Felsformationen als würde er alles mit sich nehmen wollen. Nie werde ich müde dieses
Schauspiel zu betrachten. Es ist Respekt, aber keine Angst die ich empfinde. Unendliche Ruhe hält
in meinem Innern Einzug. Spät ist es geworden. Wie schön den Tag zu verträumen. Mit der
Gewissheit bald wiederzukommen mache ich mich auf den Weg um noch vor Dunkelheit mein
Hotel zu erreichen.

 

 

Sommerfrische - Teil 3

Gästebuch

Kontaktformular

 

 

 

Besucher gesamt: 3629

Gerade online:      1

Nach oben