Nachtfieber

27.08.2012

Nachtfieber

Für einen kurzen Moment erhellt das grelle Licht der Laser die Gesichter der wogenden Menge. Ihre Körper zucken im Takt der Musik. Wie gut lassen sich hier Talente entdecken. Geschmeidige und fast schon kunstvolle Bewegungen heben sich heraus gegen den Rest unkontrollierter Verrenkungen . Aber darum geht es zu dieser Stunde nicht. Es ist die Liebe die Zugkraft ist und alles bestimmt. Der Wunsch nach Verbindung und Gemeinschaft. Eine Wandlung vom Ich zum Wir. Das Abgetrenntsein überwinden.

Es braucht seine Zeit bis sich die Seelen von Ängsten frei getrunken haben und den ersten Schritt aufs Spielfeld wagen. Jeder kennt das Spiel. Schon viele sind als Verlierer vom Feld gegangen. Das prägt und macht unsicher. Grölend geben sich die Jungs in Gruppen Mut. Die Mädchen tänzeln auffällig und lachen laut. Alle warten auf den Punkt, den gewissen, den passenden der sie zusammenführt. Doch bevor er da ist, ist er auch schon wieder vorbei, der richtige Moment.

Die flüssige Droge wird frei ausgeschenkt. Für ein paar Euro erhält jeder seinen Rausch. Niemand der da ist und warnt, auf die Gefahr hinweist.

Und sie wissen nicht was sie tun...

Wie flüssiges Gold rinnt der Saft durch die Kehlen und verspricht Glückseligkeit. Erst später zerfällt es, rostet und vergiftet den Körper.

Es ist nicht alles Gold was glänzt...

Die Optik bestimmt die Auswahl. Sich ins rechte Licht zu rücken hat Priorität. Die Hülle muß stimmen. Im Innern macht sich der Alkohol lustig und spielt mit den Wesen. Er besitzt den Schlüssel zum Unterbewußtsein und läßt freundlich lächelnd alle gefangenen Sehnsüchte frei. Sie nehmen den direkten Weg ans Licht ohne den gedanklichen Prozeß zu durchlaufen.

Ich will Spaß, ich will Spaß...

Der dröhnende Bass verbietet dogmatisch dem Wort seine Berechtigung. Einige Wortfetzen fliegen durch den Raum und lösen sich wie Nebel auf. Die Trunkenheit macht die Männer zur Lust und die Frauen zum Objekt. Die Begierde ist frei wie ein wildes Tier. Gierig sucht es seine Opfer. Wohl dem, der klaren Kopfes ist.

Spannung lässt sich fühlen. Sie nimmt jeden Winkel des Raumes ein. Künstlicher Rauch gibt dem Ganzen etwas Unwirkliches. Jetzt sind alle gleich. Sie wiegen sich und tanzen nach dem Klang der Musik.

Was war ist vergessen und was wird ist gleich...

Kurzes Vergessen gegen die Last des Alltags. Grenzen überschreiten, Ungehorsam, ohne Regeln – schwerelos sein, gedankenloses Handeln.

Die Musik verstummt. Der Letzte verlässt das Lokal. Zurück bleiben leere Gläser und müdes Personal. Die Reste der Nacht fließen in den Rinnstein und mit ihm die Hoffnung.

Doch die Hoffnung stirbt zuletzt...

 

Das Leben ist und bleibt ein Spiel. Und die Hoffnung auf einen Gewinn treibt vorran.

 

 

 

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