Insel der Kindheit - Teil 2

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01.06.2012

Insel der Kindheit – Teil 2


12 Stunden Schlaf liegen hinter mir. Der Körper nimmt sich was er braucht. Sonne fällt durch die Dachschräge in das kleine Zimmer. Es braucht nicht viel auf der Insel und schon stehe ich bereit für den Landgang. Unten am Strand stehen 8 einsame Strandkörbe noch wie im Winterschlaf. Und auch der Besitzer scheint sich in demselben zu befinden. Das Häuschen mit dem Namen -Strandkorbvermietung- liegt im Dickicht der Dünenlandschaft und sieht eher aus als würde hier die Hexe auf Hänsel und Gretel warten. Da sich mit mir noch ein Herr hierher verirrt hatte, kommt das fast hin. Alsbald erscheint auch die Hexe in Gestalt eines verschlafenen jungen Mannes und gibt uns mürrisch die Schlüssel. Das Braten folgt dann im Strandkorb. Welch ein Wetter. Glück gehabt. Ich schließe die Augen und folge der Melodie des Meeres.

Am Nachmittag sitze ich beim Kaffee im Ort und beobachte das Treiben der Leute. Eine Geschäftigkeit die von und nach allen Seiten geht. Vermutlich sitze ich im Zentrum. Fahrräder halten, parken, werden beladen oder fahren vorbei. Seltsamerweise sehen dessen Besitzer alle gleich aus. In Wetterjacken gepackt und jeder artig mit Rucksack versehen unterscheidet sich keiner vom anderen. Die Gesichter sind auf Grund des Windes mit den merkwürdigsten Kopfbedeckungen versehen, die mitunter auf viel Fantasie des Trägers schließen lassen. Große Brillen zum Schutz der Augen runden die Anonymität ab. Wie merkwürdig doch erwachsene Menschen mit Rucksäcken aussehen, stelle ich fest. Irgendwie lässt es das innere Kind zum Vorschein kommen, ein Stück Ferienlagerromantik oder Schulausflug. Ich gebe zu, die Insel verführt ein wenig zur Abenteuerlust mit Lagerfeuerflair. Der gestriegelte Großstädter lässt gerne mal das harte Leben hinter sich und geht auf den Pfadfindertrip.

Befinden wir uns nicht alle auf einer Reise, auf der Suche? Nur wonach wissen wir nicht so recht. Das ist auch gut so, denn die Reise ist wichtiger als das Ziel. Im Tanz selbst steckt die pure Lebendigkeit. Hier liegt die Möglichkeit der Gestaltung. Ist der Vorhang gefallen, geht das Orchester nach Haus und das Stück ist beendet.

Ich ziehe mein Rad aus dem Ständer. Der raue Seewind zwingt mich zur Sonnenbrille und Kapuze. Und morgen werde ich mir wohl einen Rucksack kaufen müssen. Was tut man nicht alles...





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