Die Stadt

 

Foto: Petra Ansorge

 

23.03.2013

Die Stadt

 

Sie atmet, sie lebt. Fast schon scheint es, sie möchte ihre Bewohner verschlucken. Mit großen Armen greift sie nach allem was sich bewegt. Nichts kann sich ihr entziehen. Sie spielt mit dir und du mit ihr. Gleich einem Blutkreislauf pulsiert der Mensch in ihr. Eilig und immer in Bewegung folgt er den Wegen die für ihn geschaffen. Geballte Kraft die mitreißt oder auch weg. Tanze mit oder schließe die Tür. Es gibt nichts dazwischen.                                                                                  

Dieser Ort fordert Kraft. Ohne sie erliegst du seiner Gleichgültigkeit. Scharfer Wind kühlt jeden Gedanken. Den Kragen hochgeschlossen nehme ich meinen Platz ein. Bereit zum Teilhaben. Wie ein Schwamm saugt es mich auf. Die Menge bestimmt den Rhythmus. Ich passe mich an um mein Ziel zu erreichen. Multimedia beherrscht die Szene. Jeder sagt laut was er denkt und ungefragt wird sein Leben Teil des anderen. Ich will seine Geschichte nicht und nehme sie doch mit mir. Die Industrie formt und bestimmt das Kleid der Menge. Ich schaue mich um und beschließe meinen Einkauf in das nächste Jahrhundert zu verschieben. Einheit dem der Gleichheit möchte. Individuelle Entfaltung benötigt Abgrenzung und den Mut zur Einsamkeit.

Die Stadt stöhnt vor Lust und Leid. Was gibst du mir? Trägst du oder begräbst du mich? Die müden Gesichter geben Auskunft über den Tag. Sie hoffen auf die Nacht aus dessen düsteren Träumen sich ein neuer Morgen presst. Irgendwann dann wird alles anders. Nur heute noch nicht. In der Ferne ruft es - das Glück, die Glückseligkeit. Nur die richtige Richtung einschlagen...mehr nicht.

Ich bin satt von der Vielfalt die sich anbiedert, verspricht und nichts hält. Die Stadt ist laut. Wer den Ton nicht trifft hat hier nichts verloren. Der Stolz lebt hier. Talente klonen sich. Das Besondere wird zum Massenprodukt. Der Betrachter schaut gleichmütig auf die bunte Kulisse und wälzt sich unruhig in den Schlaf. Wo ist mein Platz, was ist meine Aufgabe?  

Bilder und Töne ziehen an mir vorüber. Schon ein ganzes Leben lang. Und sie werden es weiterhin tun. Bewusstes Atmen ist wichtig um den Halt und sich selbst nicht zu verlieren. Ich habe gelernt. In der Stadt heißt es wach zu bleiben und auf der Hut. Die Luft ist dünn, so wie der Boden auf dem man steht.

 

Doch nach oben ist mein Blick frei. Ich schaue in den blauen Himmel und spüre den Wind in meinem Haar. Dann hebe ich mich empor. Gleich einem Adler breite ich meine Arme wie Schwingen aus. Die Sehnsucht gibt den Weg vor. Höher und höher, bis sich der letzte Ton verliert. Dann ist gut. Ich ruhe in mir und lasse mich tragen...fast schwerelos. Das Kunstprodukt Stadt verliert seine Macht. Hier oben gelten andere Regeln. Die Sonne überzieht meinen Körper mit flüssigem Gold. Jetzt gehöre ich dazu. Meine Augen funkeln wie Brillanten. Nun erkennen wir uns. Sonnenkinder unter sich. Es gibt nur wenige – und das ist gut so.

 

Sage der Stadt ich komme morgen wieder...

Und der Glanz wird mich eine Zeit lang begleiten – bis zum nächsten „Ausflug“.

 

 

 

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