Blickwinkel

Foto: Petra Ansorge

 

 

27.06.2015

Blickwinkel

 

Nichts geht hinein und nichts will heraus. Da ist es wieder, das geschlossene System. Sich selbst genug und bis zum Rand gefüllt mit Klängen aus Raum und Zeit. Es bedarf der Stille um die klebrige Masse abzustreifen und sich Beweglichkeit zu schaffen. Aus der Ferne sind sie noch zu hören, die Endlosketten von Silben, verzweifelter Versuch einer Bedeutung. Sie rauben dem eigenen Gedanken die Position und halten sie auf niedrigem Niveau. Die Last lässt den Gang müde wirken. Die Schritte sind wie Blei und suchen nach Erlösung. Schwül ist die Luft und zum Atmen knapp. Das Schließen des Fensters erscheint paradox, doch hält es das Draußen auf Abstand. Selbstdisziplin und Willenskraft wirken als Mechanismus. Gut wenn er funktioniert, so sind Reparaturen überflüssig.

Klare Formen im Innern geben Ruhe und Kraft. Hier steht alles am gleichen Platz und gehorcht dem eigenen Willen. Linien im rechten Winkel und ein harmonisches Beieinander von Formen und Farben erhalten das Gleichgewicht der Seele. Die Einschränkung der Bewegung erlöst den Geist und gibt ihm seine Lebendigkeit zurück. Müde geworden von den Lügen der Zeit nimmt er seine Funktion wieder auf...

 

Was ist wahr und was erscheint nur so? Die Wiederholung der Wiederholung lässt Falsches wahr werden und niemand hinterfragt. Gerede ohne Antworten. Die Sprache genutzt zur Selbstdarstellung wird zur Einbahnstraße. Gegenverkehr ist nicht erlaubt. Jeder sitzt in seinem Wagen und sucht das Ziel. Aus dem Radio tönt eine monotone Stimme immer wieder den gleichen Text, so lange bis es jeden erwischt. Eine Gesellschaft in Ihrer Sucht gefangen. Es gibt keine Hinweisschilder, nur den eigenen Gedanken der schon lange keiner mehr ist. Mit dem Fortschritt wächst die Bequemlichkeit und mit ihr die Unfähigkeit zur Selbsterkenntnis.

Ein Ruhen im eigenen Ich erscheint dem Außen fremd und krank. Spielt sich doch alles draußen ab. Laut, grell und bunt bewegt es sich das Leben. Hinein in die selbstinzinierte Ohnmacht. Kämpfen bis zum Schluss. Die Evolution drängt dem modernen Menschen längst überholte Mechanismen auf. Ohne Verstand wird umgesetzt was früher ein Überleben sicherte. Das Gestern ist dem Heute nicht mehr zeitgemäß.

 

Die Stille ...ein Ort den nicht mehr viele finden oder aber aus Angst meiden. Hier könnten Stimmen zu hören sein. Nicht die von anderen, sondern die eigene ist plötzlich präsent und möchte sich mitteilen. Ein Gewissen, ein Gefühl macht sich breit und schwächt das Ego. War zuvor alles klar und deutlich, stehen jetzt Fragen deren Beantwortung Zeit erfordert die niemand hat. Bleib stehen...ruft es in dir und verlangt nach Veränderung. Es ist an der Zeit der inneren Stimme wieder ihre zugestandene Position zurück zu geben. Ihr ein Recht vor anderen zu geben. Du glaubst sie hat es bereits? Dann schau nach draußen. Die Müdigkeit hat sich breit gemacht. Sie sitzt in vollen Bahnen am Morgen in der Stadt. Am Abend trägt sie graue Schatten unter den Augen und will nicht mehr denken. Fertigprodukte und Fertigmeinungen haben Hochkonjunktur. Nur ein wenig Zeit gewinnen für ein bischen Sich. Zeit, Zeit...und ist dann doch schon gegangen. Ewig hetzen wir ihr nach. Und sie lacht sich ins Fäustchen und beschleunigt weiter.

Am Rande der Ohnmacht...Ich, Du, die Gesellschaft?

Hilf dir selbst. Denn niemand kommt...

 

 

 

 

 

 

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